Konrad Hoffmeister, Über dem U-Bahnschacht, Berlin 1958
Sibylle Bergemann, Maria und Liane, Sellin 1981
Sibylle Bergemann, Uta, Berlin 1984
Dieter Demme, Rummel, Erfurt 1973
Ute Mahler, Mecklenburg 1984
Gundula Schulze Eldowy. o,T,. Berlin 1987

UTOPIE UND WIRKLICHKEIT
Ostdeutsche Fotografie 1956 bis 1989

Angesichts der umfangreichen und überraschend vielgestaltigen Werkbreite der Fotoszene Ostdeutschlands ist es 15 Jahre nach der Wende lohnend, eine breitgefächerte Auswahl von Fotografien der DDR-Zeit zu zeigen.

Eine solche Ausstellung gewinnt über das Sujet Fotografie hinaus an Bedeutung, weil sie der Öffentlichkeit auch allgemeines Anschauungsmaterial anbietet, sich auch mit anderen wichtigen Aspekten der DDR Kultur auseinander zu setzen.

Die Aufgeregtheiten unmittelbar nach der Zeit der Wiedervereinigung sind abgeflacht und es besteht, obwohl an diesem Thema noch mancher sein politisches Süppchen kocht, die Chance sich unbefangener mit der Geschichte Ostdeutschlands zu beschäftigen. Es besteht, soll die DDR Zeit nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit mit fragwürdigen politischen Folgen verdrängt werden, ein großer Nachholbedarf an Informationen über diesen Zeitraum. Dies gilt auch für die öffentliche Kunstdiskussion und die wissenschaftliche Bearbeitung der Kultur und insbesondere für deren Stiefkind, die Fotografie.

Der historische Abstand zur DDR ist zwar noch nicht groß genug um kunst- und geschichtswissenschaftliche Positionen zu diesem Thema mit ausreichender methodischer Sorgfalt zu erarbeiten. Da Erinnerungen bekanntermaßen durch ihre eigengesetzliche Konstruktivität verfälscht werden und auch durch ganz banale biologische Alterungsprozesse verlöschen, besteht die Gefahr, dass viele Menschen, welche die DDR Fotografie wesentlich geprägt haben, für die inhaltliche Befragung dieses Zeitraums bald nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Darüber hinaus hat der Kunstmarkt in den letzten Jahren seine Interessen an der Vermarktung dieser Fotografie angemeldet, sodass auf Grund der Gesetzmäßigkeiten des Handels nun die übliche Verzerrung von fotografischen Gesamtwerken zu engramatisch geprägten,
marktgängigen Einzelbildikonen einsetzen wird.

Es drängt also die Zeit um die Aufmerksamkeit auf diese Fotografie zu lenken, obwohl eine kunstgeschichtliche Darstellung mit zuverlässiger methodischer Aufarbeitung eines größeren historischen Abstands bedürfte. Ob es überhaupt jemals zu einer repräsentativen Ausstellung der Fotografie der DDR-Zeit kommen wird, ist angesichts leerer Haushaltskassen und eines zunehmend oberflächlicher werdenden Kulturbetriebs gar nicht so sicher. Auch ob eine ausreichend sorgfältige wissenschaftliche Erarbeitung des Themas überhaupt noch wird stattfinden können, erscheint auch angesichts einer veränderten politischen Interessenlage fraglich.

Aus diesen Gründen habe ich Norbert Bunge, der viele ostdeutsche Fotografen sehr persönlich kennt und in seiner Berliner Galerie nach 1989 systematisch auch die Fotografie Ostdeutschlands ausstellte, gebeten, eine Ausstellung zur Fotografie Ostdeutschlands von 1956 bis 1989 für das Kölner Forum für Fotografie zu kuratieren.

Bei der Auswahl der präsentierten Fotografien bestätigte es sich, dass in der DDR die Fotografie freier war als die Literatur und Malerei, da Fotografie von der politischen Führung lediglich als Abbild der Wirklichkeit und nicht als verschlüsselnde Kunstform gesehen wurde. (vgl. hierzu auch das in diesem Katalog veröffentlichte Gespräch mit Ute und Werner Mahler).

So konnten in der Fotografie viele Bilder sehr privater Innenansichten abseits determinierender politischer Forderungen entstehen. Es schien deshalb sinnvoll, bei der Auswahl der Fotografien auf eine pseudowissenschaftliche Präsentation zu verzichten, hingegen aber den überraschend großen Umfang an Subjektivität und Emotionalität der Fotografie Ostdeutschlands zur DDR Zeit im Zeitraum von 1956 bis 1989 aufzuzeigen.

 

Ursula Arnold
Tina Bara
Sibylle Bergemann
Barbara Bertold-Metselaar
Christian Borchert
Kurt Buchwald
Dieter Demme
Arno Fischer
Jürgen Graetz
Gerhard Gäbler
Harald Hauswald
Konrad Hoffmeister
Stefanie Ketzscher
Ute Mahler
Werner Mahler
Eva Mahn
Roger Melis
Helga Paris
Manfred Paul
Evelyn Richter
Edith Rimkus-Beseler
Günter Rössler
Gundula Schulze Eldowy
Jim Schütz
Uwe Steinberg
Katja Worch
Ulrich Wüst