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Juan Manuel Díaz Burgos
Fotografen lieben Kuba. Es heißt, Havanna
existiere eigentlich gar nicht mehr wirklich, sondern sei nur
noch für die Blicke von außen da. Eine leere Hülle,
ein Bühnenbild mit zerbröckelnder Kolonialarchitektur
und zerbeulten Limousinen, vor dem die Kubaner zur Freude der
Fotografen die Performance ihrer „Kubanität“ aufführen.
Man mag sie eigentlich gar nicht mehr sehen, all diese bunten
Bilder vom lebendig improvisierten Alltag, von der vermeintlichen
Vitalität der gebeutelten Kubaner, die den Widrigkeiten
ihrer Lebensumstände mit fröhlicher Laune begegnen,
immer zum Feiern, zum Lachen, zum Tanzen aufgelegt, sexy und
unwiderstehlich… Die Topoi der Tropen – Kuba scheint
die Klischees perfekt zu befriedigen, und zahlreiche internationale
Fotografen danken es Land und Leuten mit entsprechendem Output
an Bildmaterial.
Auch Juan Manuel Díaz Burgos reist seit über zehn
Jahren regelmäßig nach Kuba (und in andere Länder
Lateinamerikas). Allerdings bringt der spanische Fotograf von
dort Aufnahmen mit, die sich bemerkenswert von den üblichen
motivischen Standards unterscheiden. Díaz Burgos sucht
nicht nach dem „Typischen“, sondern nach dem Alltäglichen,
greift also nicht die offenkundigen und oberflächlichen
Reize des Fremden ab, sondern versucht, die dahinter liegenden
Strukturen zu erfassen. Nachdem er 1996 seine Studie über
die Uferpromenade El Malecón, das „große Sofa“ von
Havanna, beendet hatte, widmete er sich in den folgenden Jahren
den Innenansichten der Stadt.
„La Habana – visión interior“ ist das
bislang wohl interessanteste fotografische Projekt von Díaz
Burgos. Mit der Kamera blickte er in Orte hinter der „kubanischen
Fassade“, an denen sich das alltägliche, intime Leben
abspielt: in Hinterhöfe, Treppenhäuser, Patios, Wohnzimmer
und Küchen. Dabei gelangen ihn nicht nur äußerst
intime und erzählerisch dichte, sondern auch ästhetisch
hochkomplexe Bildkompositionen. Auf der Schwelle zwischen Innen
und Außen stehend, hat der Fotograf das Leben im Inneren
der Häuser beobachtet, wobei er eine eigentümliche
Sphäre privater Öffentlichkeit entdeckte. Festgehalten
hat er häusliche Szenen von lebendiger Authentizität,
momenthafte Konstellationen im kontrastreichen Spiel von Licht
und Schatten.
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Juan
Manuel Díaz Burgos
geb. 1951 in Cartagena, Spanien
Technischer Professor am Institut Politécnico, Cartagena
Seit 2001 Leiter des Centro Histórico Fotográfico
de la Región de Murcia (CEHIFORM), Cartagena
Díaz Burgos arbeitet für Verlage, Presse und realisiert
eigene Projekte. In Schwarzweiß widmet er sich u.a. den
Themen Landschaft (Serie „Realidad o ficción“,
1988), Akt (Serie „Piel canela“, 1996) und im Rahmen
zahlreicher Reisen mit Schwerpunkt Lateinamerika dem Alltagsleben
der Menschen verschiedener Länder (u.a. „El Malecón
de La Habana“, 1996) sowie kulturellen Zeugnissen der Zapoteken
und Maya-Indianer in Mexiko.
Ausstellungen (Auswahl):
Über 60 Einzelausstellungen, u.a. Casa de América, Galería
El Coleccionista y Real Sociedad Fotográfica, Madrid;
FNAC, Barcelona; Museu de la Ciutat y Galería Railowsky,
Valencia; Palacio del Almudí, Sala de San Esteban und
Palacio Arzobispal, Murcia; Instituto de Artes Plásticas
und Centro Cultural Español, Santo Domingo, Dominikanische
Republik; Instituto Gaudí de Lima und Capilla de San Bernardo,
Cuzco, Perú; E´space Sophenisbe, Tunis; Escuela
Nacional de Fotografía, Buenos Aires, Argentinien; Fototeca
und Casa de las Américas, La Habana, Cuba. Teilnahme an über
50 Gruppenausstellungen.
Publikationen (Auswahl):
Retratos 1983-87, 1987; Camino del Inca, 1991; Historias de playa,
1993; Estampas de la Memoria, 1994; Raíz de Sueños,
1995; Piel Canela, 1996; Malecón de la Habana. El gran
sofá, 1996; Monographie, Nummer 39 der Reihe “Biblioteca
de Fotógrafos Españoles”, PHotoBolsillo,
2002; La Habana - Visión Interior, 2002; Al Fondo, El
Mar - Cartagenas y Cartagos del Mundo, 2002.
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